mit wachsendem Unbehagen …

… beobachte ich die aktuelle Solarfärber- Szene. Wie die Pilze sprießen Gruppen zu diesem Thema aus dem Boden -  bei Facebook, bei ravelry und anderswo. Was mich daran befremdet, ist die Tatsache, dass viele dieser Solarfärber an Hintergründen und Grundlagenwissen überhaupt nicht interessiert sind. Gefragt ist der schnelle Erfolg ohne viel Aufwand. Da wird schnell ‘mal ‘was zusammen geworfen und mit Unmengen von Alaun bestreut (denn viel hilft ja viel). Ich will hier niemandem den Spaß am Solarfärben verderben und in diesen Gruppen sind auch Mitglieder dabei, die ernsthaft an der Sache interessiert sind. Ein großer Teil übernimmt jedoch kritiklos Falschinformationen, die sie “irgendwo im Internet” gefunden haben.  Da wird dann fleißig die Wolle mit Essig vorbehandelt, weil man das bei “dem anderen Färben” auch so macht. Da wird der fertige Strang mit Essig “nachfixiert”. Es werden getrocknete Waidblätter bestellt, um mit ihnen im Glas blau zu färben, es werden sogar TK- Himbeeren gekauft. Die Enttäuschung hinterher ist vorprogrammiert, wenn sich die tolle Gelbfärbung mit Kurkuma als nicht lichtecht erweist oder wenn sich die Beerenfärbungen, die im Glas so toll aussahen, ins Graue verändern. Dass es einen Sinn hat, dass Wolle, die mit Pflanzenfarben gefärbt werden soll, seit Jahrhunderten VORgebeizt wird und sich nur wenige Pflanzenfarben für eine Direktfärbung eignen … alles egal.

Nun könnte es mir ja auch egal sein, womit sich andere Leute beschäftigen; was mir jedoch Sorgen macht , sind diese Halb- oder Falschinformationen, die sich hartnäckig halten und verbreiten. Durch Misserfolge und Enttäuschungen wird dadurch ernsthaft Interessierten möglicherweise der Spaß an der Pflanzenfärberei verdorben. Schade.

So, das musste ich ‘mal los werden. Nun warte ich auf “Gegenwind” – vielleicht geht es ja aber auch der einen oder anderen so wie mir.

11 Kommentare

  1. Unbehagen hab ich nicht, Kopfschütteln bereitet mir die Tatsache, dass man einfach wild Infos im Netz aufsammelt und verwendet. Es betritt nicht nur das Solar- bzw. pflanzliche Färben überhaupt. Das betrifft auch Stricktechnik und anderes mehr.

    Mittlerweile denk ich mir nur noch „selber schuld“. Das ist vielleicht böse, aber das Lesen von mindestens einem Fachbuch ist nun mal Voraussetzung um sich Fachwissen anzueignen.Wer sich darauf verlässt, dass alles stimmt, was im www zu lesen ist, ist schlicht und einfach naiv. Wer ohne Basiswissen mit gratis Infos im Netz sparen will bezahlt halt dann sein Lehrgeld mit den Misserfolgen.

    Basiswissen aneignen und selber denken gehört zwingend zu jeder Technik dazu. Nicht umsonst waren das früher alles mal Berufe, die erst mit vielen Lern- und Erfahrungsjahren erlernt werden mussten.

    Wer die Zeit zum Lernen nicht aufbringen will, muss zwangsläufig scheitern. Da hab ich ehrlicherweise kein Mitleid und finde es dann sogar besser, wenn nach dem ersten Misserfolg nicht weiter herumprobiert wird.

    Wer sich wirklich dafür interessiert, besorgt sich spätestens nach dem zweiten Misserfolg die nötige Literatur bzw. besucht Kurse. Lernt und beginnt zu verstehen. Das ist nun mal Grundvoraussetzung für jede Tätigkeit.

    LG Alpi

  2. Oh, du hast so Recht! Von mir absolut kein Gegenwind, ich stimme dir voll zu. Ich sage mittlerweile meistens nichts mehr, es wird sowieso nicht geglaubt und scheint meist nicht zu interessieren..Zum Pflanzenfärben allgemein werden häufig auch Fragen gestellt, die sich mit dem lesen eines Färbebuches schon beantwortet hätten. Die Fragen werden dann auch noch von Besitzerinnen gestellt, die teilweise mehrere Färbebücher besitzen, sich aber wohl doch nicht richtig damit auseinandersetzen wollen. Die Antworten die dann manchmal kommen, sind teilweise genau solche Halbwahrheiten, wie du sie im Post angesprochen hast….und verbreiten sich so weiter. Der Hinweis, das doch im Färbebuch nachzulesen, stösst leider meist nicht auf Begeisterung. Schade, denn die Pflanzenfärberei ist ein ungemein spannendes Hobby, welches es verdient hätte, nicht nur ein kurzfristiger Trend mit Frusterlebnissen zu sein.

    LG Mirjam

  3. Hallo Kirsten,
    seit ganz kurzer Zeit habe auch ich mich in das Reich der Pflanzenfärberinnen vorgewagt und lese u.a. auch deinen Blog regelmäßig. In dem was du schreibts hast du wohl mehr als Recht. Das geht ja inzwischen soweit, dass versucht wird Schulmalfarben ins Solarglas zu geben. Und von vielen sieht man voller Euphorie eine Palette angesetzt Gläser mit Zeugs, was sie noch nicht mal selber beschreiben können. Nur die Ergenbisse sieht man nie. War vielleicht doch nur Müll entstanden? Ich bin ein Mensch, der gern alles richtig machen will und versuche daher so viel Infos zu sammeln, wie nur möglich. Und dabei sortieren sich die schwarzen Schafe recht schnell aus und man sieht, wer sich ernsthaft mit der Materie auseinandersetzt. Gerade gestern habe ich eine Antwort bekommen, die mir zeigte, wie halbherzig manche ans Werk gehen. Als ich das Buch von D. Fischer erwähnte, hieß es nur, dass doch die Färbesachen schon teuer genug waren, um sich jetzt noch Bücher anzuschaffen. Das Buch war übrigens die allererste Investition und beste überhaupt.
    So und nun muss ich aber auch ein ganz klein wenig Gegenwehr schaffen. Leider halten die meisten ihr Wissen und ihre Erfahrung auch zurück. Ich bin in Ravelry in einer Färbegruppe und es gibt nur wenige dort, die auch bereit sind, ihr Wissen zu teilen. Alle anderen halten sich da sehr bedeckt. Auch wenn bei mir mal was schief gelaufen ist und ich wissen will, wo vielleicht der Fehler lag, bekomme ich kaum Antworten. Dabei dachte ich immer, dass so ein Forum ein Ort ist, wo ein reger Austausch stattfindet. Teil wird man auch von den „richtigen Färberinnen“ nur belächelt als Anfänger. Warum? Sollen wir uns erst mal die Hörner abstoßen? was machen dann 1200 Mitglieder in der Gruppe, wenn man doch eh nur von den gleichen aktiven was liest. Oder man liest nur etwas, wenn sie was neues gefärbt haben und auf fishing for kompliments sind.
    Beruflich habe ich ein kleines Nähcafe, wo ich in meinen Kursen mein Wissen weiter gebe und sehe, wie dankbar die meisten sind, dass sie gerade durch die kleinen Tipps viel mehr Spaß an ihrem Hobby haben. Ich bin jemand, der gern sein Wissen teilt und wenn ich helfe, wo ich mir nicht ganz sicher bin und das auch so schreibe, könnte mir ja auch mal eine erfahrene Färberin sagen: ist richtig oder ist nicht richtig.
    Ziemlich lang geworden mein Kommentar und ich hoffe, du verstehst, was ich meine.

  4. Da gebe ich Dir vollkommen recht !

    Ich habe noch nie gefärbt und gerade das Solarfärben ( Pflanzenfarben )interessiert mich sehr. Also habe ich mich durch Blogs , Ravelry , Google etc . durchgelesen ( war danach total durcheinander )und bin zu dem Entschluss gekommen mir erstmal das Buch “ Naturfarben auf Wolle und Seide „von Dorothea Fischer , sowie „Färberpflanzen “ von Eberhard Prinz zu kaufen .
    Wissen durch Fachleute !!!

    Dann gebe ich auch Peggy recht , wo sie schreibt das man wenig geholfen bekommt ( Ravelry etc. ) ..Mir ginge es schon ein paar mal so … Entweder bekommt man gar keine Antwort oder man wird als blöd hingestellt .
    Achtung ; wenn du die gleiche Frage dann auch noch in einem anderen Forum stellst …… Ich wurde da einmal so beschimpft das ich überhaupt keine Lust mehr auf Forums und „Hilfe“ hatte !
    Danke für deinen Post und ich bin immer gerne auf deinem Blog unterwegs !
    Un abrazo
    Manuela

  5. Ich bin auch eine von denen die getrocknete Waidblätter bestellt hat und ins Glas gesteckt hat 😀 Gestern habe ich sie dann schnell gegen Blutpflaumenblätter getauscht. Aber was solls, das passiert mir mit Sicherheit nicht mehr. Ich lese sowohl im Internet, habe ein Buch von Dorothea Fischer und probiere auch gerne aus. Jeder hat mal klein angefangen. Und ich bin eher ein Mensch der Praxis, was schief geht kann ich mir gut merken und das passiert mir dann garantiert nie wieder. Und Halb- bzw. Falschinformationen gibt es doch in allen Bereichen – da brauchst du nur mal über gesunde Ernährung googeln. Und wer wirklich ernsthaft an dem Thema interessiert ist, bleibt auch dran, selbst nach Fehlversuchen. Und oftmals entsteht durch experimentieren auch gänzlich Neues. Wenn jeder nur das macht, was sowieso schon im Buch steht, entwickelt sich ja nichts weiter. Aber ein gesundes Basiswissen sollte schon vorhanden sein.
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Liebe Sabine,
      vielen Dank für deine Stellungnahme. Schade, dass nicht viel mehr von denjenigen, denen ich „auf den Schlips getreten habe“, hier an DIESER Stelle in die Diskussion einsteigen.

      Dass es Halb- und Falschinformationen in allen Bereichen gibt, ist für mich keine Rechtfertigung dafür, dass es jetzt auch im Bereich der Pflanzenfärberei so sein muss.

      Wenn du dich auf meinem Blog etwas umsiehst, wirst du feststellen, dass ich die Letzte bin, die etwas gegen das Experimentieren hat und nur das nachmacht, was in Büchern steht. Aber: das Ganze muss Hand und Fuß haben. In dem von dir erwähnten Buch von Dorothea Fischer kannst du nachlesen, dass der im Waid enthaltene Farbstoff nicht wasserlöslich ist. Was macht es für einen Sinn, sich gegen Tatsachen und Jahrhunderte alte Erfahrungen zu stellen?

      Und in dem Punkt „ein gesundes Basiswissen sollte schon vorhanden sein“ sind wir beide einer Meinung. Nur leider ist das häufig nicht vorhanden, wenn z.B. das Färben mit Säurefarben und die Pflanzenfärberei in einen Topf (oder sollte ich sagen: Glas) geworfen werden.

      Ich wünsche mir weiterhin eine angeregte Diskussion.

      Liebe Grüße

      Kirsten

  6. Liebe Kirsten, danke für deine Antwort. Deinen Blog habe ich heute erst entdeckt und ich werde sehr gerne darauf stöbern, denn ich bin mir sicher, dass ich hier viele tolle Tipps erhalten kann. Und TK-Himbeeren kaufe ich übrigens auch manchmal – aber die landen in meinem Quark 😉
    Dein Posting wirkte auf mich auf den ersten Blick etwas überheblich – aber manchmal ist es auch sehr schwierig Geschriebenes so auszudrücken, dass es auch so rüber kommt wie es gemeint ist. Schließlich fehlt die Mimik und die Gestik eines Sprechenden. Nach deiner Antwort bin ich mir sicher, dass es nicht überheblich gemeint war. Gut, dass dieses Missverständnis jetzt bereinigt ist. Und wichtig ist ja auch bei solchen Themen immer, dass nicht nur Leute antworten, die der gleichen Meinung sind wie die Autorin 🙂
    Liebe Grüße
    Sabine

  7. mir geht beides auf den keks: leute, die selber ihr denken einstellen und allem hinterherrennen, ohne den gesunden menschenverstand noch zu benutzen. und wiederum „goettinnen“ (oder goetter;-) einer technik (selbst ernannt oder zu dem status von fans erhoben), die meinen, alles zu wissen und nur noch wenigen gleichgesinnten auskunft geben. ich habe anfangs auch jedem, der fragte, ausfuehrlichst auskunft gegeben, aber inzwischen denke ich, dass leute sich schonmal die muehe machen koennten, die grundlagen, die man ueberall finden kann, selbst anzulesen. andererseits kann ich verstehen, wenn leute, die ihren lebensunterhalt ganz oder teilweise durch naturfaerben/verkauf bestreiten, nicht jede ihrer erfahrungen ueberall gestreut weitergeben wollen, ganz so, wie frueher faerber ihr wissen ja auch nicht jedem weitergaben! und das wissen im internet ist eben immer mit vorsicht zu nehmen – nicht alles, was da steht, ist wirklich so – aber man findet auch viele „krumen“, die man ohne vielleicht nie entdeckt haette?
    viele gruesse von der gruenen insel (wo ich der solarfaerbung leider etwas helfen musste, weil nicht mehr genug „solar“ runterkam:) und ja, ich habe sorgfaeltig vorher gebeizt;-)
    Bettina

  8. liebe kirsten,da gebe ich dir völlig Recht.
    Es ist das eine schnell ohne viel Wissen Ergebnisse zu produzieren zu wollen, so nach dem motto wir färben wie mit Ostereierfarben aus der tüte!
    es ist dann andere zu experimentieren
    .und das bekannte und gute, eine fundidierte wissensammlung sich anzulegen und danach zu arbeiten.

    ich zähle mich zu den mittleren und letzteren.
    Es ist einfacher gute Rezepte zu nutzen und zu guten Ergebnissen zu kommen, aber das experimentelle reizt mich ungemein. aber ich mache es mit kleinen proben ..
    als ich begann meine färbung im weckglas vorzustellen, ahnte ich nicht,dass das solche kreise zieht,bis ich dann vor Jahren in der spinnoff..genau meine arbeitsweise las
    ..nun denn ich bin dabei nur am Testen im Weckglas gewesen,weil ich so die färbung besser beobachten konnte, und einfacher ohne immer neue kochtöpfe zu nutzen,die gläser ins wasserbad stellen,warm halten,anwendete beim Krappfärben.

    aber später las ich vom risiko der Infektion mit Tetanus und da beschloß ich..vorsicht..so nicht mehr!! Nun wird nicht mehr so im Glas in der sonne gefärbt. Ich weiß von Frauen,die dann plötzlich so schwer erkrankte nach Gartenarbeit,, weil sie nicht ausreichend durch Impfung geschützt waren, und starben..Daran sollte man auch denken..dass die Tetanuskeime sich bei dieser solarfärbung vermehren.
    Daher meine färbereien sind normalerweise gut mit Rezepten und hintergrundwissen..aber ab und zu teste ich neues aus..

    und staune..

    so wurde eine kleine Testfärbung mit dahlien gut gekocht wunderbar orange, der zweite zug mattes beschbraun..

    lassen wir uns Überraschen..!
    aber zum färben gehört eine gute bücherei., so lese ich mich gerade durch meine vielen bücher..will meinen enkeln ihre wolle blau küpen und überlege welche Stammküpe ich nun ansetze..

    liebe Grüße wiebke.

  9. mir geht es so, wie es schon einige oben beschrieben haben. Man fragt in einer (facebook) gruppe nach Erfahrungen und wird mit allerhand Kommentaren beantwortet: „Laß Dich überraschen“, „das fällt immer verschieden aus“, „die Überraschung macht doch das Solarfärben aus“. Nach Farbechheit hab ich gefragt und wollte einfach nur die Erfahrungen der einzelnen Färber wissen. Aber da kommt dann nichts. Ich möchte einfach ein normales Basiswissen und nicht wild alles aus dem Garten rupfen um zu probieren (so wurde es mir empfohlen). Das kann doch nur Enttäuschungen geben. Wobei mir schon klar ist, dass das Endergebnis immer eine Überraschung ist.

Kommentar verfassen