nichts für empfindliche Nasen …

in diesem Sommer bin ich bei der Suche nach möglichst vielen Informationen zum Färben mit Indigo an verschiedenen Stellen auf die sogenannte „Saxon Vat“ – also die Sächsische Küpe – gestoßen. Dieser Begriff bezeichnet zwei gänzlich verschiedene Verfahren: bei der ersten Methode wird mit Hilfe von konzentrierter Schwefelsäure und Indigopulver eine Paste hergestellt – das war mir viel zuviel Chemie … mich interessierte mehr die andere, ursprüngliche Methode, die von J.N.Liles in The Art and Craft of Natural Dyeing: Traditional Recipes Modern Use beschrieben wird:

ein sehr schmutziges Woll- Vlies wird mit warmem Wasser übergossen und 24 Stunden stehen gelassen … anschließend wird das Vlies heraus genommen und Indigopulver in einem Mullsäckchen wird in das schmutzige Wasser eingehängt, die gespülte Wolle kommt hinein, das Gefäß wird abgedeckt und in die Sonne gestellt … das Ganze beginnt nach einigen Tagen zu fermentieren … die magische Verwandlung setzt ein.

Also eine Fermentationsküpe … noch dazu eine einfach herzustellende …

Ob das, was mit Indigopulver geht, auch mit frischen Blättern vom Japanischen Indigo funktioniert …???

Nun … Versuch macht klu(ch)g … zunächst einmal ein Versuch in kleinem Rahmen in einem 2l- Glas:

 

Schmutzige Wolle, warmes Wasser und frische Blätter … alles zusammen im Glas so lange stehen gelassen, bis die Blätter fermentiert waren. Es riecht … deshalb also: nichts für empfindliche Nasen ….

Ergebnis: ein schönes Türkis

Schlauer wäre es natürlich gewesen, entweder die Blätter oder die Wolle in ein Netz zu stecken … so musste ich halt die Pflanzenreste heraussammeln …

Im nächsten Schritt das Ganze noch einmal in abgeänderter Form:

  • zunächst Herstellen der Schmutzbrühe
  • Wolle herausnehmen
  • Zufügen der Blätter
  • Warmstellen
  • nach Abschluss der Fermentation absieben der Pflanzenreste
  • dann erst Hinzufügen der Fasern
  • Färben in mehreren Zügen mit zwischenzeitlichem Verblauen (wie auch sonst beim Färben mit Indigo oder Waid)

Die Ergebnisse (dieses Mal ohne Pflanzenreste):

die ungesponnene Wolle ist vom Deichschaf, der gesponnene Strang Coburger Fuchs, der helle Strang darüber eine Baumwoll-/Leinenmischung … und am oberen Rand 2 Seidenhankies.

5 Kommentare

  1. Was für ein geniales Experiment und was für feine hauchige Türkistöne, Kirsten! Ich habe die Krapp-Weizenkleie-Fermentationsküpe aus dem Online-Kurs von Uli stehen – riecht auch… (Sehr merkwürdig: Ich habe eine äußerst empfindliche Nase, reagiere ganz schnell auf Gerüche. Bei der Pflanzenfärberei und bei der Wollwäsche kann ich jedoch alles tolerieren. Und ohne jede Mühe…)
    Herzliche Grüße
    Jana

    • genauso geht es mir auch, Jana, während ich normalerweise sehr stark auf Gerüche reagiere, bin ich bei Gerüchen, die im Zusammenhang mit meiner Pflanzenfärberei entstehen, vollkommen unempfindlich ;o)

      Liebe Grüße

      Kirsten

  2. Klasse … wenn das soooo einfach ohne den ganzen anderen Kram aus Apotheke und Drogerie klappt.
    Da werde ich mir nächstes Jahr wieder ein paar Töpfe Färbeknöterich ziehen..
    Danke für deinen Blogeintrag – ich könnte dich knutschen – ich bin ganz verrückt danach zu erfahren, wie etwas früher gemacht wurde…

    LG
    Ute aus dem Ostallgäu

  3. indigofaerben fuer faule? das hoert sich nach der methode fuer mich an:) leider hat der frost meinen knoeterich erwischt:( also warte ich besser bis zum naechsten jahr, wo das wetter dann hoffentlich auch wieder besser wird (fermentation bei frosttemperaturen dauert dann wohl sehr lange….) aber danke fuer diesen versuch – und die info darueber!!
    irische gruesse

    Bettina

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